“Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen“

Iznik ist historisch eine sehr interessante Stadt. So wie vieles in der Türkei. Zu Istanbul werde ich nicht viel sagen. Istanbul ist allseits bekannt. Istanbul, 2700 Jahre Geschichte, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Türkei, Stadt auf zwei Kontinenten …

St. Pölten – Iznik ist historisch eine sehr interessante Stadt. So wie vieles in der Türkei. Eine angenehme Landstadt am Iznik-See. Gelbes Schilf, blaues Wasser, die Wellen rauschen ans Ufer, grüne Hügel … Ascanius hieß dieser See früher. Die Stadt am Ufer hieß Nicaea und war eine Metropole des oströmischen Reiches. In der Geschichte des Christentums hat diese Stadt, einen besonderen Platz, denn hier tagten zu byzantinischer Zeit zwei der sieben allgemein anerkannten Ökumenischen Konzile, und zwar das erste und das letzte.

Türkische Archäologen entdecken im Iznik-See eine Ruine. Es könnte sich um den Tagungsort des ersten Konzils von Nicaea handeln. Der Ort des siebten Konzils, die Hagia Sophia von Iznik, ist seit 2011 Moschee.

Und natürlich, nicht zur vergessen – die Iznik-Keramik! Iznik-Keramik ist die Bezeichnung für die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert hergestellte glasierte Töpferware. Gefördert durch den osmanischen Hof und inspiriert durch chinesisches Porzellan im Blau-Weiß-Stil. Eine dieser wunderbaren Handwerksarbeiten steht als Erinnerung bei mir zu Hause.

Hagia Sophia von Nizäa nach der Umwandlung in eine Moschee. (Foto: de.wikipedia.org)

Die Einfahrt über die Bosporus-Brücke

Die Einfahrt über die Bosporus-Brücke gibt bereits einen Vorgeschmack auf das Autofahren in Istanbul. Aber ich muss sagen, es war weniger anstrengend als in Athen. Ich kann mir vorstellen, dass das anstrengendste Autofahren wahrscheinlich in Dehli und Bombay ist. Aber dort bin ich selbst nie Auto gefahren. Und – das ist auch wieder eine andere Geschichte.

Zu Istanbul werde ich nicht viel sagen. Istanbul ist allseits bekannt. Istanbul, Konstantinopel, Byzanz –Krone dreier Reiche, 2700 Jahre Geschichte, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Türkei, Stadt auf zwei Kontinenten … Und lebendig! Nicht nur in den Ladengasse des geschlossenen Basars, sondern auch abends in den Lokalen am Bosporus. Ich hatte das Gefühl, Istanbul schläft nie! Ich werde jetzt nicht wieder den Vollmond bemühen – obwohl er da war …

“Kein Verliebter kann diesen Basar durchschreiten, ohne es wie ein Unglück zu empfinden, nicht Millionär zu sein“ schrieb der Italiener Edmondo de Amicis im 19. Jahrhundert. In den verwinkelten Gassen abseits der touristischen Strömungen trifft man ihn noch – den alten Zauber des traditionellen Basarlebens. Zwei herausragende Erlebnisse, außer den täglichen vielen wunderbaren Entdeckungen an jeder Straßenecke, waren einerseits der Besuch der Hagia Sophia. Ich finde, sie ist eines der großartigsten und beeindruckendsten Bauwerke, die ich gesehen habe.

Die Prinzeninseln

Das andere, der Besuch der Prinzeninseln, oder auch Prinzessinneninseln genannt. Die Prinzeninseln bestehen aus einer Gruppe von Inseln, die rund 20 Kilometer von Istanbul, direkt an der asiatischen Küste der Stadt gelegen sind. Genauer befinden sie sich im Marmarameer.

Auch hier wieder eine Geschichte: Einst dienten die Inseln als Verbannungsort für byzantinische Prinzen und Fürsten, daher auch der Name. Heute wohnen hier hauptsächlich wohlhabende Einwohner von Istanbul, die im Sommer dort in ihren Sommerhäusern residieren. Die Inseln sind komplett autofrei. Man geht zu Fuß, fährt mit dem Fahrrad oder mit einem Pferdewagen.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.
Zuerst weht ein leichter Wind,
Leicht bewegen sich
Die Blätter in den Bäumen.
In der Ferne, weit in der Ferne.
Pausenlos die Glocke der Wasserverkäufer.
Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.
In der Höhe die Schreie der Vögel,
Die in Scharen fliegen.
Die großen Fischernetze werden eingezogen,
Die Füße einer Frau berühren das Wasser.
Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.
Der kühle Basar,
Mahmutpascha mit dem Geschrei der Verkäufer,
Die Höfe voll Tauben.
Das Gehämmer von den Docks her;
Im Frühlingswind der Geruch von Schweiß.
Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.
Im Kopf den Rausch vergangener Feste.
Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern,
Das Sausen der Südwinde legt sich.
Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.
Ein Dämchen geht auf dem Gehsteig.
Flüche, Lieder, Rufe hinter ihr her.
Sie lässt etwas aus der Hand fallen,
Es muss eine Rose sein.
Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.
Ein Vogel zappelt an deinen Hängen.
Ich weiß, ob deine Stirn heiß ist oder nicht,
Ich weiß, ob deine Lippen feucht sind oder nicht.
Weiß geht der Mond hinter den Nussbäumen auf,
Ich weiß es von deinem Herzschlag.
Ich höre Istanbul.
(Orhan Veli)

Damit sind wir am Ende der Reise angelangt. Das Reduzieren auf nur Weniges aus diesen fünf Wochen fiel mir nicht leicht. Ich danke sehr herzlich meinem damaligen Freund und seiner Familie, die ich in Istanbul kennen lernen durfte, und den vielen gastfreundlichen Menschen, die ich unterwegs getroffen habe. Auch dem unendlich schönen Land, das noch viele Reisen wert wäre.

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https://monikakrampl.wordpress.com

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